{"id":86,"date":"2009-06-14T16:49:37","date_gmt":"2009-06-14T14:49:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardschulze.de\/?page_id=86"},"modified":"2023-10-18T17:08:32","modified_gmt":"2023-10-18T15:08:32","slug":"debattierseminar","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gerhardschulze.de\/index.php\/debattierseminar\/","title":{"rendered":"Debattierseminar"},"content":{"rendered":"<p><strong>Debattierseminare an der Universit\u00e4t Bamberg<\/strong><\/p>\n<p>Mehr und mehr sind Universit\u00e4ten zu Einrichtungen der blo\u00dfen Wissensvermittlung geworden. \u201eWas denn sonst?\u201c, bekommt man zu h\u00f6ren, wenn man dies kritisiert. Hier die Antwort von Aristophanes: \u201eMenschen bilden bedeutet nicht ein Gef\u00e4\u00df zu f\u00fcllen, sondern ein Feuer zu entfachen.\u201c Dass Rabelais, Montaigne oder Pestalozzi \u00c4hnliches gesagt haben, bezeugt die Zeitlosigkeit einer Versuchung, der alle Bildungsbem\u00fchungen ausgesetzt sind: das Abfragbare, Niedergeschriebene, Klausurrelevante in den Vordergrund zu stellen und dabei den obersten Zweck zu vergessen: \u201eThe great aim of education is not knowledge but action.\u201c Im Grunde ist dieser Satz von Herbert Spencer nur eine weitere Variante des Zitats von Aristophanes.<\/p>\n<p>Wie steht es darum in der Soziologie? Im Medizinstudium gibt es die klinischen Semester. Im dualen System der beruflichen Bildung in Deutschland wird das praktische Lernen im Betrieb mit der Berufsschule kombiniert. Aber worin k\u00f6nnte praktisches Lernen in der Soziologie bestehen? So gut wie alle soziologischen Studieng\u00e4nge antworten darauf mit immer anspruchsvolleren Ausbildungsangeboten f\u00fcr empirische Forschungsmethoden.<\/p>\n<p>Das ist nicht falsch, aber unzureichend. Das Handwerk der Soziologie ist mit dem Abschluss der empirischen Arbeit noch keineswegs erledigt, denn diese Wissenschaft ist erst am Ziel, wenn sie die Menschen und Institutionen jenseits der Universit\u00e4t erreicht. Im Anschluss an die Forschung geht es um Interpretation, Kommunikation, Transfer und Teilnahme an \u00f6ffentlichen Diskursen.<\/p>\n<p>Dabei ist Selbstdenken im Rahmen der soziologischen Perspektive gefordert \u2013 etwa in \u00f6ffentlichen Gespr\u00e4chsrunden, Interviews, kurzfristig angeforderten Pressebeitr\u00e4gen, in Vortr\u00e4gen mit anschlie\u00dfender Diskussion oder in diversen Formen der Internetkommunikation. Das Debattierseminar soll auf solche Situationen vorbereiten; sein Ziel ist Ein\u00fcbung in \u00f6ffentliche Soziologie durch learning by doing.<\/p>\n<p>Anders als gewohnt steht dabei nicht Wissensvermittlung im Vordergrund. Vielmehr kommt es darauf an, jenes Wissen, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits mitbringen, spontan in der Dialektik des Gespr\u00e4chs zu aktivieren, Widerspruch auszuhalten und zu erheben, mit Ungewissheit umzugehen und den Mut aufzubringen, unabh\u00e4ngig vom aktuellen Mainstream Stellung zu nehmen.<\/p>\n<p>Die Themen des Debattierseminars werden gemeinsam formuliert; sie kn\u00fcpfen an jeweils aktuelle Ereignisse und Streitfragen an. Dazu werden etwa eine Woche vor den Seminarsitzungen Informationen und Stellungnahmen aus verschiedenen Medien im Virtuellen Campus gepostet. Die Seminarsitzungen werden durch ein etwa 5- bis 10-min\u00fctiges Statement einer Teilnehmerin oder eines Teilnehmers eingeleitet. Daran schlie\u00dft sich eine vom Seminarleiter moderierte und strukturierte Diskussion an. Die Debatte dreht sich zum einen um Hauptaspekte des jeweiligen Themas, zum anderen um die Frage, was es bedeutet, dieses Thema <em>soziologisch<\/em> anzugehen.<\/p>\n<p>Die Seminarleistung besteht in den Debattenbeitr\u00e4gen und in einer Hausarbeit, die sich an ein vorgestelltes Publikum jenseits der soziologischen Fach\u00f6ffentlichkeit wendet \u2013 in Form eines Zeitungsartikels, eines l\u00e4ngeren Leserbriefs, eines Vortrags, eines Radio- oder Fernsehfeatures oder eines im Internet verf\u00fcgbar gemachten Textes.<\/p>\n<p>Die Debattierseminare finden im soziologischen Studiengang an der Universit\u00e4t Bamberg statt.<\/p>\n<p>Anmeldungen \u00fcber den virtuellen Campus (VC) der Uni Bamberg.<\/p>\n<p><strong>Themenbeispiele aus bisherigen Debattierseminaren: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Medienkultur in Deutschland<\/li>\n<li>Wandel der Parteienlandschaft in Deutschland? Eine soziologische Interpretation der zur\u00fcckliegenden Wahlen (Bayern, Hessen, Bundestag)<\/li>\n<li>Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung<\/li>\n<li>Menschen und autonome Maschinen<\/li>\n<li>Bedingungsloses Grundeinkommen<\/li>\n<li>Identit\u00e4t im digitalen Zeitalter<\/li>\n<li>Ostdeutschland und Westdeutschland 30 Jahre nach dem Mauerfall<\/li>\n<li>B\u00fcrgerbeteiligung heute<\/li>\n<li>Neue Formen des Journalismus<\/li>\n<li>Sekund\u00e4re Viktimisierung<\/li>\n<li>Polizeiaufgabengesetze und Sicherheitsdebatte<\/li>\n<li>Predictive Policing<\/li>\n<li>Burnout und die Arbeit am inneren Gleichgewicht<\/li>\n<li>Der gegenw\u00e4rtige Wandel der Geschlechterbeziehungen<\/li>\n<li>Chemnitz und die Folgen<\/li>\n<li>Hate Speech und Fake News<\/li>\n<li>Postwachstumsgesellschaft<\/li>\n<li>Geschlechterbeziehungen heute<\/li>\n<li>\u201eGeneration Beziehungsunf\u00e4hig\u201c \u2013 Selbstverwirklichung statt Partnerschaft?<\/li>\n<li>Europa nach der Wahl 2019<\/li>\n<li>Siedlungsformen von heute \u2013 Wandel, Probleme, L\u00f6sungsideen<\/li>\n<li>Drogen, Sucht und Gegenma\u00dfnahmen<\/li>\n<li>Krankheit und Gesellschaft<\/li>\n<li>Kommentarkultur im Wandel<\/li>\n<li>Bedeutungswandel von Menschenrechten<\/li>\n<li>Social Scoring: Zukunftsmodell oder Wiederkehr der Geschichte? China und die DDR im Vergleich<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Debattierseminare an der Universit\u00e4t Bamberg Mehr und mehr sind Universit\u00e4ten zu Einrichtungen der blo\u00dfen Wissensvermittlung geworden. \u201eWas denn sonst?\u201c, bekommt man zu h\u00f6ren, wenn man dies kritisiert. 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